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Donnerstag, 30. Juni 2005, 16:00 MESZ
Gewitter Frankreich, Benelux, Deutschland 28./29.6.2005 Satellitenbild: 29.6.2005, 17:18 UTC, NOAA 158 VIS Quelle: Universität Strasbourg |
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Wetterlage und Entwicklung Nur wenige Tage nach den letzten heftigen Gewittern - siehe Artikel - kam es in Mitteleuropa und Teilen Westeuropas erneut zu teilweise unwetterartigen Gewittern. Am 29.6.2005 erstreckte sich der Einflussbereich des Tiefdruckgebietes "Yassin", das mit seinem Zentrum um 00 UTC noch bei Irland lag, von Nordwestspanien bis in den Alpenraum hinein. Im Laufe des Tages verlagerte es sich über Frankreich hinweg Richtung Deutschland. Feuchtwarme Luft strömte aus Südwesten heran, gleichzeitig transportierten das Skandinavienhoch "Xanthippe" und das Tief "Xabi" über Weißrussland trockene und kühlere Luft bis in den Norden und Osten Deutschlands. So enstand diagonal über Deutschland hinweg eine Luftmassengrenze, die als markantes Wolkenband in Erscheinung tritt, aber kaum Regen brachte. Bereits am Mittwoch, 28.6.2005, entstanden in der allmählich feuchter werdenden Luft über Süddeutschland erste Gewitter. Sie fielen durchaus heftig aus und brachten beispielsweise im Landkreis Traunstein Hagel, der in Tittmoning auch etlichen Schaden verursachte. Im Südwesten Deutschlands stiegen die Temperaturen bis 35.4°C in Rheinfelden am Hochrhein an, Karlsruhe mit 34.0°C stand dem kaum nach. Ein erster großer Gewitterkomplex zog dann in der Nacht zum Donnerstag, 29.6.2005, über den Großraum Köln hinweg und brachte neben stundenlangem Gewitter auch heftige Niederschläge mit sich, die sich am Flughafen Köln-Bonn auf 48 mm summierten. Straßen standen unter Wasser, Keller liefen voll. Am Vormittag des 29.6.2005 beruhigte sich das Wetter zunächst, Gewitterreste im Westen und Süden verschwanden rasch. Erneut stieg das Thermometer im Südwesten auf über 30°C (Rheinfelden 32.3°C), auch sonst war die Luft im Westen, in der Mitte und im Süden sehr schwül. Mit Annäherung des Tiefs "Yassin" lebte am Nachmittag die Gewitteraktivität kräftig auf und erfasste schließlich bis zur Nacht den gesamten Bereich von Nordrhein-Westfalen bis nach Bayern. Die Gewitter nahmen zum Teil unwetterartigen Charakter an und brachten gebietsweise Regenmengen zwischen 50 und 70 mm (Lissendorf in Rheinland-Pfalz 71 mm). Die größten Regenmengen kamen im Südwesten Nordrhein-Westfalens, in Teilen von Rheinland-Pfalz und in Südhessen zusammen. Weitere Gewitter mit Hagel und Sturmböen bildeten sich in Baden-Württemberg und Bayern. Wie immer bei konvektiven Ereignissen liegen Gebiete mit Starkniederschlägen, die durchaus lokale Überschwemmungen hervorrufen können, dicht neben solchen, die von alldem nichts oder nur wenig mitbekommen. Nicht zum ersten Mal ging zum Beispiel Karlsruhe mit einer Niederschlagsmenge von 1.8 mm nahezu leer aus, der Juni brachte hier bislang 13 mm (das entspricht 15% der üblichen Monatssumme). In kurzer Zeit deutlich zu viel Regen kam im Rhein-Main-Gebiet und in Südhessen vom Himmel (zB Darmstadt 49 mm). Straßen wurden überflutet, durch Blitzeinschläge entstanden einzelne Brände und Störungen im Telefonnetz. Auch der Bahn- und Flugverkehr wurde in Mitleidenschaft gezogen, in Frankfurt konnten zeitweise keine Flugzeuge mehr starten. Noch größere Niederschlagsmengen wurde aus dem benachbarten Ausland gemeldet: Die größten Mengen verzeichneten hier Chievres mit 130 mm und Charleroi in Belgien mit 72 mm.
Niederschlag
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