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Sonntag, 4. November 2012, 14:30 MEZ
Unwetter, Überflutungen Italien, Venedig, Kroatien 31.10./01.11.2012 Meteosat 9 RGB-Satellitenbild Europa 31.10.2012, 12 UTC Quelle: EUMETSAT |
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Unwetter haben Ende Oktober und Anfang November 2012 große Teile Italiens und Kroatiens heimgesucht. Besonders betroffen von dem kräftigen Mittelmeertief war die Region Venetien in Nordostitalien. In der Lagunenstadt Venedig stieg der Pegel auf 1.41 Meter über normalem Wasserstand, der elfhöchste Wert in der Stadtchronik. Auch aus Kroatien wurden Hochwasser und Sturmschäden gemeldet.
Wetterlage im Mittelmeerraum und Auswirkungen Grund für die kräftigen Wettererscheinungen im zentralen Mittelmeerraum Ende Oktober und Anfang November 2012 war ein mächtiger Langwellentrog, der fast den gesamten europäischen Kontinent verreinnahmte. Am 30.10. machte sich am Südwestrand des hiesigen Systems über der Iberischen Halbinsel ein kurzwelliger Randtrog bemerkbar, der sich an den Vortagen ausgehend von Grönland mit strammem Tempo und unter leichter Abschwächung südwärts verlagerte. Zum Monatswechsel schlug der Kurzwellentrog der Höhenströmung folgend eine östliche Zugbahn über das westliche und zentrale Mittelmeer ein.
Trogvorderseitig kamen großflächige Hebungsprozesse über dem noch um 20 °C warmen Mittelmeerwasser in Gang. Differentielle zyklonale Vorticityadvektion und Warmluftadvektion verursachten vor der Kurzwelle Druckfall am Boden. Bei idealen Voraussetzungen für die Bildung kräftiger Mittelmeertiefs entwickelte sich auf dem Weg über das westliche Mittelmeer ein umfangreiches Tiefdruckgebiet, das seinen niedrigsten Kerndruck unter 990 hPa über Norditalien erreichte. Zusätzlich wurde die Troposphäre durch das kalte Höhentief kräftig labilisiert, so dass vor allem auf der warmen Ostseite des Systems Schauer und linienförmig angeordnete Gewitter mit teilweise ergiebigen Regenfällen entstanden. Erst über dem nördlichen Balkan und dem nahen Südosteuropa fehlte zunehmend die feuchtwarme Mittelmeerluft und der Höhentrog verlor an Krümmung. Beide Faktoren führten zu nachlassenden Niederschlägen und schließlich zur Auflösung des Tiefdruckgebietes.
Niederschläge über 100 mm in 12 Stunden und elfgrößtes Hochwasser in Venedig Die Bildung kräftiger Tiefdruckgebiete mit ergiebigen Regenfällen im Mittelmeerraum ist im Herbst nichts Ungewöhnliches. Dass aber nahezu ganz Italien von Unwettern, Überflutungen und Erdrutschen heimgesucht wurde und auch in Teilen Kroatiens Schäden durch heftige Wettererscheinungen entstanden, darf im Hinblick auf die räumliche Ausdehnung als besonders bezeichnet werden. In der Spitze fielen in nur 12 Stunden über 100 mm Niederschlag, so in Apulien und in Istrien. Schäden durch Überschwemmungen traten vor allem in Kampanien, in Südtirol, im Latium und in der Toskana auf. Rund 50 Menschen mussten aus überschwemmten Gebieten gerettet werden. Sturmböen riefen Schäden in Kroatien und dort besonders im Raum Split hervor. Überflutungen gab es auf dem nördlichen Balkan unter anderem in Punta (HR). Auf Sizilien blieben viele Schulen vorsorglich geschlossen. Südlich von Rom wurde eine Frau von den Wassermassen mitgerissen und starb.
In Venedig wurde am 01.11. mit 1.41 Meter über normalem Wasserstand der elfhöchste Pegel erreicht, der laut Stadtarchiv jemals in der Lagunenstadt gemessen wurde. Damit war über die Hälfte des Stadtgebietes mindestens Gummistiefel hoch überflutet. An der nur unweit entfernten Wetterstation Cavallino Treporti kam in 48 Stunden (31.10., 00 UTC bis 02.11., 00 UTC) 61 mm an Regen zusammen. Zum Vergleich fallen in Venedig in einem durchschnittlichen Oktober 69 mm während eines ganzen Monats. Im November treten laut langjährigen Beobachtungen die meisten Überflutungen in Venedig auf, der Rekordpegel von 1.94 Meter über Normalwasser wurde am 04.11.1966 aufgestellt (siehe auch Tabelle).
Text: DK 4. November 2012 |