Heftige Regenfälle führten am 8. und 9. September 2009 im Nordwesten der Türkei zu verheerenden
Überschwemmungen. Insgesamt kamen mindestens 31 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen im Großraum Istanbul. Örtlich
fielen knapp 200 mm Regen innerhalb eines Tages.
Wetterlage und Entwicklung
Im Frühherbst, wenn erste Vorstöße hochreichend kalter Luft das Mittelmeer erreichen, entwickeln sich über dem warmen
Meerwasser oftmals verbreitet Schauer und Gewitter. Ende der ersten Septemberdekade 2009 stieß ein mit höhenkalter Luft
angefüllter Trog über Osteuropa weit nach Süden vor, der Südteil schnürte sich über dem Balkan zu einem eigenständigen
Höhentief ab. Am 8. und 9. nahm dieses Höhentief eine dipolartige Struktur mit zwei Zentren an. Während sich das westliche
Zentrum über die nördliche Adria nach Norditalien bewegte, zog der zweite Kern über die Ägäis und die westliche Türkei
ostwärts. In dessen Umfeld entstanden verbreitet zum Teil kräftige Gewitter.
300-hPa-Geopotential und -Temperatur vom 08. bis 10.09.2009, jeweils 00 UTC
Quelle: wetter3.de
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08.09.2009, 00 UTC |
09.09.2009, 00 UTC |
10.09.2009, 00 UTC |
Die größte Regenmenge innerhalb von 24 Stunden verzeichnete dabei die Stadt Bandırma, am südlichen Rand des
Marmarameeres und etwas mehr als 100 Kilometer Luftlinie von Istanbul entfernt gelegen. Dort summierten sich zwischen
dem 8., 06 UTC und dem 9., 06 UTC 183 mm; davon fielen allein 140 mm binnen zwölf Stunden bis zum 9., 06 UTC. Am
internationalen Flughafen von Istanbul, Atatürk, gingen im selben 24-stündigen Zeitraum lediglich 57 mm nieder. Das ist
aber immer noch mehr, als nach dem langjährigen Mittel im gesamten Monat September zu erwarten wäre (41 mm). In anderen
Teilen der Provinz Istanbul konnte deutlich mehr Niederschlag gemessen werden, beispielsweise an der Station Kamiloba im
Landkreis Silivri im Westen des europäischen Teils (134 mm).
Die heftigen Regenfälle lösten vor allem im Großraum Istanbul verheerende Überschwemmungen und Flutwellen aus. Mindestens
31 Menschen kamen ums Leben, davon 24 in Istanbul. Stellenweise stand das Wasser zwei Meter hoch in den Straßen. Mehrere
Hauptstraßen und Autobahnen waren unpassierbar, Autos und Kleinlaster wurden von den Fluten mitgerissen. Brücken, Straßen
und hunderte Häuser wurden beschädigt.
Im Nachgang der Katastrophe kritisierten Experten die Istanbuler Behörden, die keine Kontrolle über die Bautätigkeit in
von Überschwemmungen gefährdeten Gebieten erlangen konnten - zum Beispiel in ausgetrockneten Flussbetten. In einigen
Stadtteilen sollen bis zu 90 Prozent der Gebäude illegal errichtet worden sein.
Wetterwerte
Nachstehend die größten gemessenen 24-stündigen Niederschlagsmengen in der Türkei im Zeitraum 08., 06 UTC bis 09.09.2009,
06 UTC. Quelle: Türkischer Wetterdienst (DMI)
Ort |
Provinz |
Nds. |
Bandırma Meydan Kamiloba Hadimköy
Sarıyer-Kireçburnu Gönen |
Balıkesir Istanbul Istanbul
Istanbul Balıkesir |
183 mm 134 mm 121 mm 98 mm 93 mm
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Übersicht über die türkischen Provinzen. Quelle: Wikipedia |
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Landkreise der Provinz Istanbul. Quelle: Wikipedia |
Satellitenbilder
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08.09., 12:04 UTC, NOAA-19 VIS/IR
Quelle: B. J. Burton |
09.09., 11:53 UTC, NOAA-19 VIS/IR
Quelle: B. J. Burton |
Text: CE
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